Archiv der Kategorie: Erziehung und Abgrenzung mit Liebe

Hier gibt es Ratschläge für eine gelungene Erziehung von Kindern und gleichzeitig, wie man sich besser von Menschen abgrenzen kann.

Erziehung ist für viele Eltern eine Herausforderung: Einerseits in Liebe sein mit dem Kind, andererseits Grenzen setzen und mit seinen eigenen Gefühlen umgehen zu lernen.

Hier gibt es Ratschläge auch zum allgemeinen Thema des sich-abgrenzens…gefühlt jedem zweiten Mensch fällt es schwer “nein” zu sagen. Wie kann das bestimmt, aber herzlich gelingen? Das erfährst du hier

Grenzen setzen mit natürlicher Autorität

Nein-sagen und Grenzen setzen

Grenzen setzen gehört zum Alltag unter Erwachsenen wie auch in der Kindererziehung. Ganz gleich, ob du spürst, dass du nicht auf eine gewisse Art und Weise behandelt werden willst, oder, ob dich jemand um einen Gefallen bittet, den du aber nicht erfüllen möchtest. Es geht darum, Grenzen zu setzen und nein-zu-sagen. Wenn Kinder aufwachsen, benötigen auch sie eine Richtschnur, um ein Verhalten zu erlernen, das Ihnen ein Zusammenleben in der gegebenen Gesellschaft ermöglicht.

Vielen Menschen fällt generell das Nein-sagen schwer. Sie werden um einen Gefallen gebeten, meinen nein, sagen aber ja. Danach ärgern sie sich und kommen nicht nur innerlich in Disharmonie mit sich selbst, sondern strahlen dies dann mitunter auch durch ein von außen nicht nachvollziehbares Verhalten unschön auf. Nach dem Motto: “Dann zeige ich ihnen eben meine Unzufriedenheit”. Eine Unzufriedenheit, die eigentlich selbst erzeugt wurde. Durch die eigene Schwierigkeit, nein zu sagen, also Grenzen zu setzen. Wenn diese Disharmonie und dieser Ärger immer wieder auftaucht und im Körper bleibt, kann das auch zu körperlichen Symptomen führen.

Viele Menschen schaffen es zwar wiederum nein zu sagen, bleiben dabei aber nicht locker, sondern geraten beim Grenzen-setzen mit ihren Gegenübern in Konflikt. Doch, nur weil der eine etwas ganz anderes möchte, als der andere, heißt es ja nicht automatisch, in einen Streit zu gelangen!

Das Gleiche gilt in der Kindererziehung. Viele Eltern geraten beim “Nein” in Konflikt mit ihren Kindern – das “ich-will-aber” des Kindes stößt auf das “Nein” des Erwachsenen. Konflikte schaukeln sich hoch, werden zu lautstarken Streitigkeiten, bei denen auch die Erwachsenen immer lauter werden. Doch Lautstärke ist oft ein Zeichen von Hilflosigkeit. Denn wer würde sich schon in seinen Gefühlen lautstark verlieren, wenn er es anders besser wüsste?

In Liebe sein kann helfen

Wie ist solche eine Situation des Grenzen-setzen alternativ möglich? Insofern alternativ, als dass Grenzen gesetzt werden, aber ohne Lautstärke, ohne einander aufeinander zu prallen? Hierbei kann die ganz bewusste Entscheidung und das bewusste Leben des bei-sich-seins, in liebevoller Haltung mit sich und anderen sein, helfen: Wer tief in Achtsamkeit und Bewusstsein bei sich ist, seine Bedürfnisse spürt und zu diesen liebevoll steht, strahlt auch aus, dass kein anderer Weg möglich sein wird. Es entsteht eine natürliche Autorität, denn durch das dazu stehen, wird konsequent ein Weg, eine Richtung eingeschlagen. Ohne Umwege, ohne Seitenwege. Jeder weiß und spürt, hier ist jemand, der geht seinen Weg.

Das geht nicht von heute auf morgen. Aber wer erst gar nicht damit anfängt, wird es mitunter auch nicht erreichen. Wichtig dabei ist die liebevolle Sichtweise sich und anderen Gegenüber. Es geht in erster Linie nicht um eine Technik – auch, wenn es nicht schaden kann, beispielsweise Techniken der Mediation oder der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg zu erlernen. Es geht vielmehr um eine innere und gelebte liebevolle Haltung. Selbst die beste Technik kann nicht ausstrahlen, was durch eine innere Haltung verursacht wird.

Beispiel Kinofilme: Wie wird ein Held oft dargestellt? Genau, sie schauen gaaanz ruhig, dem Gegenüber in die Augen, scheinen die Ruhe gefressen zu haben, sind stets offen und zugewandt. Sie strahlen aus, sich mit jedermann in jegwelcher Situation auseinderzusetzen. In Filmen wird keine Gesprächstechnik angewandt. Vielmehr wird ein Bild erzeugt, eines Menschen, der zu sich steht, bei sich bleibt. Er ist offen und zugewandt. Er ist bereit, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Selbst, wenn das den Tod bedeutet sollte. Es ist eine innere Entscheidung, eine innere Haltung.

Mit anderen in Liebe zu sein ist wie ein Fluss, der seinen natürlichen Lauf nimmt; durch alles, was wir sind und was uns umgibt. Mit anderen in Konflikt zu sein ist wie ein Knoten, der sich immer mehr zuzieht. Allein die Haltung wird dein Denken und Handeln verändern können. Du wirst während einer Auseinandersetzung eine andere Haltung und Mimik entwickeln. Du wirst wie ein starker Baum, der mit seinen Blättern und Ästen teilweise nachgibt, aber grundsätzlich dort steht, wo er verwurzelt ist. Du wirst eine natürliche Autorität entwickeln.

Aikido zur Veranschaulichung

Aikido ist eine japanische, defensive Kampfsportart, die einer friedlichen geistigen Haltung zur Basis hat. Man sagt, ein Aikido-Meister könne von niemandem umgestoßen werden. Er gibt wie die Äste eines Baumes nach. Und doch bleibt er stets in seiner Mitte. Auch hat er wie ein Baum stets den Halt zum Boden.

Kommt ein Angreifer, wird der Aikidoka versuchen, die angreifende Kraft nicht mit Gegenenergie zu beantworten (Analog zur Kommunikation: Kein Schlagabtausch während eines Wortgefechts), sondern die Energie umzuleiten, zum Beispiel durch Drehungen (Analog zum oben Gesagten: Die Energie zu verändern durch eine andere Haltung).

Auch, wenn der Aikidoka kurzzeitig seinen Platz verlässt, so verlässt er nie seine eigene Mitte. Sein Stand ist sicher und sein Körper stehts dem Angreifer zugewandt (Analog zur Kommunikation: Integer, authentisch, bei sich und offen).

Beispiel eines Streites zwischen Eltern und Kind

Wenn sich Eltern mit Ihren Kindern streiten, können Konflikte eskalieren. Vor allem in einem Alter des Kindes, in dem Regeln und Umgang mit eigenen Bedürfnissen erst erlernt werden müssen. Wenn Eltern ein “ich will aber” mit einem “nein” beantworten, spielt die innere Haltung eine große Rolle: Regt sich der Elternteil immer mehr auf (Hilflosigkeit), wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die Lautstärke in diesem Konflikt immer mehr erhöhen. Sicherlich wird man auch hier durch Konsequenz Regeln schaffen und zukünftig immer leichter durchsetzen können.

Wie aber wäre es gleichzeitig im Konflikt in seiner Mitte zu bleiben und einen Konflikt erst einmal nur als etwas ganz Natürliches zu betrachten? Durch Streitigkeiten können wir wachsen, durch Streit können wir neue Lösungen entwickeln. Es ist vollkommen normal, dass zwei unterschiedliche Menschen auch unterschiedlichen Bedürfnisse haben. Die Frage ist demnach eine Frage der “Streitkultur”. Und damit auch der inneren Haltung. Wenn der Gegenüber stets spürt, dass sie oder er bedingungslos geliebt wird, nur aber der jetzige Wunsch nicht für gut geheißen wird, kann schon einzig die Haltung viel verändern.

Gerade das ist aber etwas, das bei vielen Sich-Streitenden während eines Konflikts verloren geht: Während des Streits wird der Pfad der Liebe verlassen und Wut entsteht. Es wird kurzzeitig keine liebevolle Haltung mehr wahrgenommen. Die sich Streitenden gehen vollkommen in Konflikt und verschließen sich. Sie sind nicht mehr offen. Genau das Gegenteil des In-Liebe-seins: So unangenehm eine Situation auch immer sein mag, offen der Welt in die Augen zu schauen, bei sich in der Mitte zu bleiben, und stets bereit zu sein, sogar in den Konflikt weiter zu gehen – mit dem Ziel, ihn (den Knoten) zu lösen.

Das muss nicht immer leicht sein, aber es ist stets der Anfang vom Ende des Konflikts. Im Gegenteil dazu bedeutet es, beim Sich-Verschließen, den Knoten weiter zu zuziehen und das bedeutet der Anfang eines mitunter endlosen Konflikts. Und um es zu betonen: Die innere Haltung zu verändern heißt nicht, weniger standhaft zu sein. Im Gegenteil, gerade das ist ja das Ziel: Die Standhaftigkeit erhöhen, aber gleichzeitig auszutrahlen, das in Liebe versucht wird, eine Lösung zu finden und dass der Gegenüber wichtig genommen wird.

Lösungen erreichen

Wenn du also zukünftig leichter Grenzen setzen möchtest, nein-sagen möchtest: Tue es, in dem du dich kurz sammelst und dich fragst, was du eigentlich nun gerne hättest. Dann nehme eine liebevolle Haltung ein – dir gegenüber und dem anderen gegenüber. Siehe den Konflikt als etwas Wertvolles: Er bringt Wachstum und Lösungen. Meist auch Freiheit für die Zukunft. Öffne dich, anstatt dich zu verschließen. Schaue dem anderen liebevoll in die Augen und während du in deiner Mitte bleibst, sage wie es dir mit dem Verhalten oder der Bitte des Anderen geht. Danach sage ehrlich, was du dir wünschst und warum. Tue das unmissverständlich und klar. Sei selbst diese Klarheit, in dem du übst, jeden Tag in deinem Leben in Wahrheit zu leben. So wirst du diese Klarheit und Authentizät mit der Zeit immer stärker ausstrahlen. Dein Gegenüber wird eine natürliche Autorität spüren.

Am Beispiel des Eltern-Kind-Konfliktes: Nachdem Du Deinem Kind klar gesagt hast, was du sagem möchtest und wenn dein Kind bei einem “nein” weiter jammert oder schreit, gebe ihm zu erkennen, dass du es verstanden hast, was es sich wünscht. Es muss wissen, dass du verstehst, was es gesagt hat. Sage ihm dann, dass seine Bedürfnisse gut nachvollziehen kannst. Lächle es herzlich an. Sei liebevoll bei dir selbst und zeige es deinem Kind so, dass es erkennt und spürt, dass du in Klarheit und Ruhe mit dir bist und, dass es dennoch nur einen einzigen Weg gibt, den von dir vorgegebenen – das geht in vielerlei Hinsicht auch wortlos. Es muss spüren, dass du der Baum bist, der Standhaft bleibt, egal wie stark der Wind auch sein mag. Dein Kind wird sich aufgrund deines beständigen, konsquenten Handelns mitunter hilflos fühlen und spüren, dsss es am anderen Ende der “Befehlskette” steht. Das mag sich seltsam anhören, ist aber Realität. Genau das macht das Kind ja so hilflos und es setzt alles dafür ein, das zu verändern. Wenn es spürt, dass du standhaft bist, kann es auf die wildesten Verhaltensweisen kommen, um dich zu testen. Es fühlt sich in solch einer Situation vielleicht ganz alleine mit sich und seiner Umwelt. Darum wird es ja all seine Erfahrungen und Kenntnisse zur Hilfe nehmen, um deine Standhaftigkeit ins Wackeln zu bringen. Das Kind steht alleine da, weiß nicht mehr weiter und du kannst ihm deine Liebe zeigen. Biete dem Kind Liebe an, damit es spürt, dass all das, was passiert, so ist, weil du es liebst und es für dich wichtig ist. DAs allermeiste dabei machst du durch eine liebevolle Grundhaltung. Unterstützt durch ein liebevolle, aber konsequentes Verhalten, nicht jedoch durch Geschrei. Ergänzt werden kann das auch, in dem du ihm (scheinbar paradoxerweise) anbietest, “komme in meine Arme”.

In erster Linie geht es um eine konsequente innere Haltung. Du siehst, Konflikte haben oft gar nicht so viel mit dem anderen zu tun, sondern vielmehr mit deinem Vermögen, bei dir selbst zu bleiben, in Liebe zu bleiben. Dann bist du automatisch konsequent, strahlst Echtheit und herzliche Offenheit aus. Du zeigst, dass du gewillt bist, eine gute Lösung zu finden. Dir kann man vertrauen. Du meinst es ehrlich. Dir geht es um das Wohl für dich und deine Umwelt.

Es ist falsch, “ja” zu sagen, obwohl du “nein” meinst. Das macht dich unehrlich dir gegenüber, du kommst in Disharmonie und das strahlst du auch nach außen aus. Deine darauf folgenenden inneren Konflikte, es eigentlich anders haben zu wollen, bringen deine Disharmonie weiter in die Welt, die, je öfters du das machst, weitaus unangenehmer sein können, als einfach nur konsequent “nein-sagen” zu lernen.

Dabei hilft dir die innere Haltung des In-Liebe-seins. Und das Beste: Das hilft nicht nur, es fühlt sich gut an. Wenn du dich manchmal überfordert fühlst oder einfach nicht weiter weißt, ist das auch ok. Sei einfach gut zu dir. Sei liebevoll zu dir. Bist du herzlich in deiner Einstellung zu dir, wirst du entspannter. Bist du entspannter, kannst du auch deiner Umwelt entspannter zugewandt sein. Sei einfach du, mit einer liebevollen Haltung dir und deiner Umwelt gegenüber. Akzeptiere, dass Überforderungsgefühle genauso zu dir gehören wie Stärke und Selbstvertrauen. Wichtig ist aber deine bewusste Entscheidung für eine liebevolle Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Wenn du dann versuchst, achtsamer zu handeln bist du auf einem schönen Weg – ein Weg, den du und deine Umwelt als bereichernd wahrnehmen wird.

Sprache der Liebe

Sprache der Liebe

In-Liebe-sein drückt sich auch in unserer Sprache aus. Wir kommunizieren anders, wir leben Herzlichkeit. Dabei ist es völlig gleich, was du vermitteln möchtest. Möchtest du nur Belangloses mitteilen, deinen Partner um etwas bitten oder einem Mitarbeiter etwas Wichtiges rückmelden?

In Liebe oder nicht in Liebe zu kommunizieren hat erstaunliche Auswirkungen bei deinem Gegenüber.

Was tun, wenn der andere Interessen vertritt und nicht auf dich hören möchte? Lauter sprechen? Schreien? In der Erziehung von Kindern wird genau das regelmäßig praktiziert. Ebenso in der Kommunikation zwischen Liebespaaren. Oder zwischen ganzen Ländern. Die Auswirkung der Kommunikation kann manchmal über langjährigen Krieg und Frieden entscheiden.

Wenn sich zwei Erwachsene lauthals streiten oder einander verbittert sind, liegt das in vielen Fällen daran, dass sich mindestens einer der Streithälse angegriffen fühlt, blockiert und sich durch Gegenwehr schützt. Das, was schmerzt kann oft auch nur ein unbewusst wahrgenommener Schmerz sein, der einfach nur als Angriff wahrgenommen wird. Auslöser des Streits ist in vielen Fällen ein verbaler Angriff auf eine andere Person. Selbst dann, wenn der Angriff gar nicht als solcher vom Ausgesprochenen wahrgenommen wurde.

“Wer viel spricht hat weniger zu denken.” (Indisches Sprichwort)

Marshall Rosenberg, ein Schüler des bekannten Begründers der klientenzentrierten Gesprächstherapie, Carl Rogers, nahm sich in besonderer Art und Weise der Lösung von Streitigkeiten an und versuchte diese durch Empathie und Beobachtung durch Zuhören ohne Bewertung zu lösen (siehe auch Gewaltfreie Kommunikation, kurz GfK). Zuhören hat zu tun mit eigener Stille und Wahrnehmung des Erlebens. Als Konfliktvermittler ist eine Säule seines Lösungsansatzes, Gefühle und das wirkliche Bedürfnis der Streitenden zu erkennen. Oft streiten sich Menschen und sagen, was sie wollen, jedoch nicht, warum und was ihr Verlangen mit ihrem inneren Bedürfnis zu tun hat. Es wird also gestritten, aber keiner kennt den wirklich dahinter liegenden Grund. Zu Recht erscheinen dabei Lösungen oft nicht möglich. Von außen könnte man nun zum Beispiel als Richter eine Lösung erzwingen, die oberflächig gerecht erscheint. Aber ohne mehr über die Bedürfnisse der einzelnen Streitenden zu wissen, wird diese von außen herbeigeführte Lösung von den Betroffenen mitunter wiederum einfach nur als ungerecht empfunden.

Ein gängiges Beispiel in der Konfliktlösung ist das Beispiel zweier Kinder, die sich um eine Orange streiten. Die genervte Mutter schreitet ein, teilt die Orange und gibt jedem der Kinder eine Hälfte. Doch der Streit geht weiter, wurde nicht gelöst. Warum?

Beim genaueren Nachfragen, warum die Kinder diese Orange benötigen, erfahren wir, dass das eine Kind die Schale zum Backen und das andere Kind das Innere der Orange benötigt, um Saft herzustellen … eigentlich wäre also eine Win-Win-Lösung möglich, wenn die Kinder es geschafft hätten, nicht nur Ihre Forderung, sondern auch ihre Bedürfnisse auszudrücken oder zumindest die Mutter ihre Kinder nach deren Bedürfnissen befragt hätte.

Dieses Beispiel zeigt eine zunächst psychologische und rein technische Angelegenheit der Kommunikation. Man könnte jetzt weitere Vorschläge machen, wie eine hilfreiche Kommunikation in der konkreten Ausführung umsetzbar wäre. Ein üblicher Tipp wäre, besser in „ich“-Form anstatt in „Du“-Form zu sprechen, womit per se schon nur schwer ein Angriff möglich ist. Doch ich möchte hier den Fokus auf den Aspekt der Liebe setzen.

Wenden wir uns davor nochmals Marshall Rosenberg zu. Er führte den Begriff der Wolfssprache und der Giraffensprache ein. Als Wolfssprache bezeichnete er bewertende Angriffe wie „Du arbeitest unordentlich und schlampig. Bis morgen arbeitest Du die Aufgaben sauber aus“. Dies verglich er mit kläffenden Wölfen, die sicher kein friedvoller Anblick sind. Als Giraffensprache bezeichnete Rosenberg eine friedvolle Kommunikation wie „Deine erledigten Aufgaben sind fehlerhaft und unvollständig. Das ärgert mich. Ich frage mich, warum du unsere vereinbarten Aufgaben nicht sauber erledigst. Bitte sage mir, ob Du bereit bist, von nun an die Aufgaben mit Sorgfalt zu erledigen oder mit mir eine Lösung zu finden, wie wir die Zusammenarbeit für beide Seiten erfreulich hinbekommen“. Er verglich die friedvollle Kommunikation mit Giraffen, die aus seiner Sicht sinnbildlich friedvoll miteinander umgehen (oder haben Sie schon einmal das Bild einer kläffend, schreienden Giraffe gesehen?).

Dieses Bild der Giraffensprache und Wolfssprache finde ich schön bildhaft, um über Liebe in der Kommunikation zu schreiben.

Gerade beim Umgang mit Kindern lässt sich das eindrucksvoll zeigen: Schreien Eltern regelmäßig mit Ihren Kindern, werden diese manchmal wie „taub“. Glücklicherweise nicht wirklich taub, aber bezüglich der Wünsche ihrer Eltern oder ihrer übrigen Umwelt erstaunlich ignorant. Bei normalem Umgangston reagieren diese Kinder gar nicht mehr oder nur selten. Sie reagieren dann nur noch, wenn geschrien wird. Sie haben im Laufe der Zeit die Wolfssprache erlernt und verstehen keine Giraffensprache mehr. Anfangs in ihrem Leben war das noch anders: Kinder sind sehr sensibel auf die Schwingungen ihrer Umwelt. Mit der Zeit, wenn regelmäßig zur Durchsetzung von Interessen das Hilfsmittel des Geschreis genutzt wird (was anfangs ja wunderbar funktioniert, aber eben nur für eine bestimmte Zeit), stumpfen diese Kinder ab. Jeder Mensch. Ob groß oder klein. Was andere als starkes Signal empfinden, wird von den abgestumpften Menschen mitunter nicht einmal als richtungsweisend interpretiert.

Ich erlebe dies manchmal bei mir fremden Kindern: Man lernt sich z.B. über die Verwandtschaft oder den Freundeskreis kennen. Mit der Zeit werden, was bei Kindern nicht ungewöhnlich ist, Grenzen von Seiten der Kinder überschritten. Diesen dann durch eine friedvolle Kommunikation die notwendigen Grenzen aufzuzeigen, mit der Bitte, dies oder das sein zu lassen, funktioniert nur holprig, wenn überhaupt. Es ist, wie wenn eine Giraffe mit einem Wolfskind spräche! Schaue ich mir die Kommunikation der Eltern genauer an, wird meist schnell klar, dass regelmäßig innerhalb der Familie geschrien wird. Es wird mir deutlich, dass in dieser Familie die Wolfssprache gelehrt wird. Damit mich diese Kinder verstehen, müsste ich in die Wolfssprache ihrer Eltern wechseln. Natürlich möchte ich das nicht. Aber es würde lange dauern, bis diese Kinder meine Sprache verstehen. Am einfachsten wäre es, wenn die Eltern anfingen, ihre Kommunikation zu verändern. Sich für einen liebevollen Umgang entscheiden, einen friedvollen Umgang, der dauerhaft wohl sogar effektiver und vor allem oft konsequenter wäre.

Doch das ist natürlich nicht nur im Verhältnis zwischen Eltern und Kindern so. Das Gleiche gilt für jede andere menschliche Beziehung wie in der Partnerschaft oder im Büro. Die Ausprägung der Wolfssprache unterscheidet sich dabei zwar, aber auch ein verbaler Angriff ohne Geschrei ist Gekläffe und kann eine destruktive Gegenreaktion beim Gegenüber auslösen.

Zärtlichkeit der Sprache

Für mein Buch „Berufsgeschichten“ (siehe berufsgeschichten.de) interviewte ich eine Menge berufstätiger Menschen und befragte sie zu Ihrem Beruf, wie sie dazu gekommen sind, wie sie ihre Arbeit erleben und was sie über diese denken. Das Interview mit einem Pfarrer in Ruhestand, der noch immer zeitweise, wenn auch begrenzt seine Berufung ausübt, blieb mir lange in Erinnerung. Nicht nur, dass er fern von Religion viel über Liebe sprach. Mich beeindruckte vor allem sein Ausdruck „Zärtlichkeit“ in Verbindung mit zwischenmenschlichem Umgang. Dass er spüre, wie unterschiedlich die Zärtlichkeit bei manchen Paaren und Familien, die er betreue, ausgeprägt sei. Und, dass es vor allem Zärtlichkeit ist, dass er jedem Brautpaar ans Herz lege. Zärtlichkeit, wohlgemerkt, die über körperliche weit hinausgeht.

Zärtlichkeit ist ein wundervolles Wort, das in diesen Kontext zauberhaft hineinpasst. Liebe ist wundervoll zärtliche Schwingung. Und geht es bei all den Ausführungen über kommunikative Angriffe nicht eigentlich um Mangel von Liebe? Also im Umkehrschluss zur Lösung um ein schönes Miteinander, liebevolle Kommunikation – Zärtlichkeit in purster Reinheit? Neben aller technischer Hilfsmittel und psychologischer Ratschläge, wie die Kommunikation zwischen Menschen verbessert werden kann, ist es doch die grundsätzliche liebevolle Haltung, die dazu beiträgt, in Achtung und mit Respekt zu kommunizieren. Kommunizieren heißt nicht nur zu sprechen, denn die non-verbale Kommunikation ist ja bekannter weise die sogar viel mächtigere und ausgeprägtere Art. Wie könnte überhaupt ein Verständigungsproblem aufkommen, wenn jemand wirklich in Liebe ist und in Liebe handelt? Dabei geht es gar nicht einmal nur um Respekt oder Achtung. Sondern vor allem um eine liebevolle Haltung dem anderen gegenüber – jedem Gegenüber. Ganz gleich ob Partnern, Kindern, Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten oder Unbekannten gegenüber.

In Liebe sein heißt, in Liebe zu sein mit sich, seiner Umwelt und dem Ganzen, allem uns Umgebenden. Wer liebt wird andere, ohne es zu wollen, dazu befähigen, selbst zu lieben. Die in obigem Beispiel beschriebenen Wolfseltern lieben sicherlich ihre Kinder. Aber lieben sie sich selbst? Und befähigen sie durch ihre Art deren Kinder, aus vollem Herzen lieben zu lernen? Sicher wird das später durch die Kinder noch möglich werden. Aber hätten sie es nicht leichter, von vornherein ein herzliches Miteinander zu erlernen? Schreien heißt in erster Linie Grenzüberschreitung, nur sekundär Hilflosigkeit, Wut, Aggression oder Gewalt, wenn das Schreien auf andere Personen gerichtet ist. Es wird also in vielen Fällen paradoxerweise eine Grenze überschritten, obwohl oft eigentlich das Ziel ist, dem anderen eine Grenze zu zeigen!

Der Weg einer inneren Haltung des in Liebe seins

Ich bin davon überzeugt, dass Grenzen setzen und jegliche Art der Wunschübermittlung in den allermeisten Fällen mit Hilfe eines friedvollen Umgangs möglich ist. Noch leichter wird es, wenn du eine Grundhaltung des in-Liebe-seins einnimmst. Verabschiede dich von der Vorstellung, dass Liebe ausschließlich auf Liebesbeziehungen oder auf Familienmitgliedern reduziert wird. Öffne dich für eine Grundhaltung der Liebe, in der du deine Brust und dein Herz öffnest – jedem, dem du begegnest. du begegnest dir alleine schon laufend – sei also zu allererst in Liebe mit dir. Gleichzeitig begegnest täglich anderen Menschen, Tieren der Natur – sei auch mit ihnen in Liebe. Sammle das aufsteigende Gefühl, dass sich vielleicht schon jetzt beim Lesen dieser Zeilen bei dir im Bauch oder der Brust bemerkbar macht, verstärke es, atme in dich hindurch. Immer wieder und lass dieses Gefühl in dir angenehm kreisen. Verstärke es durch dein Atem und atme ganz bewusst durch alles hindurch, was dich umgibt. Atme in Liebe ganz bewusst durch alles hindurch, was dich umgibt. Das schließt auch das Universum ein, alles, das Ganze, all das, was dich und deine Umwelt umgibt…

Du magst manchmal wütend, zornig, genervt oder frustriert sein. Vielleicht verlässt du dabei deine Mitte, dein Gefühl, in Liebe zu sein. Vielleicht rutscht dir dann manchmal etwas über die Lippen, was du später bereust. Das ist o.k. und menschlich. Lass es aber nicht zur Gewohnheit werden, denn auch Deine Umwelt wird geprägt und erlernt automatisch mit dir eine andere, wenig friedvolle Sprache und innere Haltung.

Sei in Liebe. Heute. Entscheide dich für dieses wunderbare Gefühl. Für eine Grundhaltung, für ein wundervolles Leben. Du bist Liebe. Erinnerst Du Dich, wie herzlich und friedlich Babys aussehen? Du selbst warst einmal eines. Und tief in dir gibt es noch immer dieses innere Kind, das du täglich umarmen oder zärtlich streicheln kannst. So, wie du es mit jedem anderen süßen Kind tun würdest. Achte auf die Sprache der Liebe. Bei deiner inneren, liebevollen Haltung und Sprache fängt nämlich eine Umarmung bereits an.

Umarme liebevoll alles, was dich umgibt: In allem, in dir wie auch in allem deiner Umwelt gibt es eine Schönheit, die leuchtet, wenn du sie genauer betrachtest. In allem steckt ein wunderbares Wesen, so wie sich ein Baby ganz offensichtlich offenbart. Habe auch als Mann Mut, das alles zu tun, auch, wenn du als Mann glaubst, das sei doch nicht männlich oder gar dämlich. Das Gegenteil ist der Fall! Die Sprache und liebevolle Haltung hat nichts mit Mann oder Frau sein zu tun. Wenn du nämlich als Mann eine Wolfssprache brauchst, um als Mann wahrgenommen zu werden, dann ist es doch gerade bedenklich, dass sonst dein Mann-sein nicht erkannt würde.

Und wenn du nach dem Lesen dieses Textes erkannt hast, dass du etwas an deiner Sprache ändern möchtest, jedoch bei der Umsetzung überfordert bist: Lese Werke von Marshall Rosenberg, nimm an Schulungen zur Gewaltfreien Kommunikation teil oder suche eine Beratungsstelle auf, die dir weiterhilft. Deine Umwelt wird es dir danken. Du selbst wirst glücklicher. Entscheide dich heute für In-Liebe-sein!

Hier gibt es weitere Gedanken für ein glückliches, selbstbestimmtes Leben

Hilfe benötigt? Praxis für Kurzzeitherapie, Coaching und Mediation von Nick Melekian in Wiesbaden

© 2014 Nick Melekian – Auszüge, auch teilweise, nur nach vorheriger, schriftlicher Genehmigung

Erziehung mit Liebe

Bei den Gedanken an Ihre Kinder bekommen Eltern wohl meist sogleich Gefühle von warmer Herzensliebe. Kinder und Eltern – eine wunderbare Liebesbeziehung. Kinder lieben Ihre Eltern und Eltern ihre Kinder. Zwar kann es manchmal im Alter des Erwachsenwerdens zu Streitigkeiten oder gar Zerwürfnissen kommen. Aber in aller Regel hält diese Liebe ein Leben lang.

Welche Eltern würden sich als unliebevoll bezeichnen?

Umso erstaunlicher aber die Tatsache, dass Erziehung in vielen Familien gar nicht so liebevoll stattfindet. Dabei muss man gar nicht an offensichtlich haarsträubende Dinge denken. Oft fängt es schon bei der Einstellung der Eltern an: Statt neugierig auf ihre wunderbaren kleinen Wesen zu schauen, welche Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Begabungen in ihnen schlummern, wird zwar mitunter die Einzigartigkeit jedes Kindes wahrgenommen, aber nicht wirklich ernst genommen. Kinder sollen gefälligst tun, was die Eltern für gut heißen! Kinder werden dabei dann mitunter zu Erfüllungsgehilfen der eigenen Wunschbilder der Eltern reduziert, nicht als Menschen und damit nicht wirklich würdevoll als geliebter Mensch wahrgenommen oder behandelt.

So wird zum Beispiel das Kind in allerlei Kurse geschickt, ohne erst einmal zu schauen, was die Vorlieben, Begabungen und Bedürfnisse des Kindes sind. So soll mitunter das Kind zu einem großen Klavierspieler werden, weil die Eltern selbst immer den Wunsch hatten, aber es nicht auf die Reihe bekamen. Andere Paare benutzen Ihre Kinder als Druckmittel, um eigene Interessen beim anderen Partner durchzusetzen.

Wo fängt Gewalt an?

Noch viel auffälliger wird ein herzloses Verhalten, wenn Kinder unter Zuhilfnahme Gewalt „erzogen“ werden. Dabei muss Gewalt gar nicht körperlich sein. Sie kann genauso verbal geschehen. Entweder durch eine unschöne, harte Wortwahl oder durch Geschrei. In der Tat ist es so, dass sich viele Eltern nicht zu helfen wissen und Geschrei als wirksame Lösung wahrgenommen wird. Manchmal wird auch gar nicht erst soweit gedacht und Geschrei als völlig normal, weil natürlich herausplatzend, empfunden. Auf Nachfrage antworten dann diese Eltern manchmal: „Das ist einfach bei uns immer laut, das war schon immer so, unser Kind ist einfach kompliziert. Es hört nur so.“ Andere sagen vielleicht: „Aber ich wollte doch nur das Beste – ich wusste es einfach nicht besser!“.

Sind diese Eltern in Liebe? In Liebe mit sich selbst und ihrer Familie? Es scheint, dass das Erforschen wahrer Liebe für manche Eltern sehr nützlich sein kann, um in der Lage zu sein, ihre Erziehung in ebenso wahrer Liebe zu gestalten. Eben, um dabei auch unterscheiden zu können, zwischen eigenem Bedürfnis und dem Bedürfnis des Kindes.

Bitte richtig verstehen: Es geht nicht um ein Plädoyer für eine Erziehung ohne Grenzen! Ganz und gar nicht geht es darum, eigene Kinder zu verhätscheln und alles zuzulassen, was das Kind tut. Grenzen, sofern geeignet, können sogar dem Kind helfen. Aber wenn das Kind benutzt wird, um eigene Interessen durchzusetzen, unter dem Vorwand des Wohles für das Kindes, ist die Erziehung faul … und vor allem ist die Liebe faul. Sie ist unaufrichtig.

Platz für Liebe in der Erziehung fängt in dir, nicht beim Kind an

Wenn Du Kinder hast und das nächstes Mal eine große Herausforderung wahrnimmst in Bezug auf die Erziehung Deines Kindes, versuche achtsam zu sein auf die Bedürfnisse von Dir und den Bedürfnissen Deines Kindes. Was davon ist wirklich gut für Dein Kind und was ist nur ein Bedürfnis von Dir? Versuche, in Dich hineinzuspüren und mit Dir selbst in Liebe zu sein. Liebe ist bereits in Dir. Sie möchte nur kultiviert werden. Versuche zu lieben, ganz generell in Liebe zu sein – mit Dir, mit Deiner Umwelt, mit dem Ganzen. Vielleicht sammelst Du ja über diesen Blog Erfahrung zu diesem Thema, um diesem Gefühl mit der Zeit immer näher zu kommen.

Versuche dann, Deine Erziehung mit anderen Augen zu betrachten und auszuüben. Mit einem liebevollen Lächeln auf Deinen Lippen, einer entspannten Gesichtsmuskulatur, einer warmen und herzlichen Haltung in Deinem Herzen, wenn Du Deinem Kind begegnest. Vielleicht hast Du ja mit der Zeit auch mehr das Bedürfnis, Dein Kind zu streicheln und in den Arm zu nehmen? Wenn Du wirklich in Liebe mit Deinem Kind bist, werden Dir viele unliebevolle Taten bewusst werden. Akzeptiere Vergangenes, aber sei bereit, Dich zu verändern. Keinem Menschen, mit dem Du in wahrer Liebe bist, wirst Du Gewalt antun wollen oder ihn für Deine Zwecke benutzen wollen. Ganz gleich, wie überfordert Du Dich mitunter in Deiner derzeitigen Situation fühlst.

Solltest Du Dich in bestimmten Fragen dauerhaft überfordert fühlen – hole Dir Ratschlag bei erfahren Beratern, Therapeuten oder Beratungsstellen. Manchmal musst Du Herausforderungen nicht alleine lösen! Du holst Dir bei Computerprobleben ja auch Rat bei Experten, warum nicht ebenso bei Herausforderungen mit Deinen Liebsten? Löse eher Deinen Stolz oder Deine Bequemlichkeit, Gewohnheiten zu durchbrechen. Deinem Kind zu Liebe: Sei in Liebe.