Der größte Irrtum – Beziehungsabhängigkeit und Liebe

“Everybody needs someone to love”

Das ist ein Refrain eines Liedes, das ich im Radio hin- und wieder höre. Jedesmal, wenn  das Lied erklingt, bin ich erstaunt, dass dies wirklich so getextet wurde: Gar keine Frage, es ist wunderschön, Liebe mit jemandem zu teilen. Und umso schöner, mit einem tollen Partner deiner Wahl – Gefühle, die unglaublich schön sein können! Und dennoch: “Ich brauche jemanden, um zu lieben” oder anders übersetzt “…um lieben zu können” sagt doch etwas recht erschreckendes aus: “Ich kann ohne jemanden anderen nicht lieben. Ich kriege mein Leben ohne jemanden anderen nicht hin. Ich brauche jemanden. Eigentlich fast egal wer. Der andere muss nur halbwegs zur mir passen, dann erfüllt er seinen Zweck, damit ich mich besser fühle.” Du möchtest einen anderen gebrauchen, nur um überhaupt lieben zu können!

Möchte dein Partner aber nur ein jemand sein? Wie fühlt sich wohl dein Partner, wenn er herausfindet, dass er nur ein Gegenstand ist, damit er dir nutzt?

Der größte Irrtum

Benötigen wir wirklich andere, um zu lieben oder gar lieben zu können? Sicher, es fällt Menschen leichter, zu lieben, wenn sie als Kind viel Liebe erfahren durften und dies spürten. Das sind aber nur Feinheiten. Es fängt nämlich im Allgemeinen schon damit an, dass sehr viele Menschen Liebe auf ein Gefühl zwischen zwei Personen (Liebespärchen) reduzieren. Und ja, so wird es gerne auch in den Medien vermittelt. Und das erzeugt einen riesigen Irrtum: Liebe und daraus resultierendes Glück ist scheinbar abhängig von anderen.

Aber gibt es nicht auch Liebe, die uns vollkommen unabhängig von anderen – einfach nur für sich erfüllen kann? Ein Gefühl, bei dem du einfach nur in Liebe sein kannst? Mit dir selbst, mit deiner Umwelt (nicht nur Personen, sondern mit allem uns unmittelbar Umgebenden) und mit dem Ganzen, dem uns Allumgebenden – manche würde sagen, das Göttliche, andere sprechen vom Universum. Ja, diese Liebe gibt es. Unabhängig von “jemandem” oder von religiösen Bildern. Wohl ist hierzu aber für viele Menschen ein Umdenken notwendig, um zu erkennen, dass Liebe bereits im Überfluss vorhanden ist und jederzeit geliebt werden kann! Liebe als mehr als ein Gefühl: Sie ist eine Grundhaltung, ein universeller Zustand, eine unbeschreibliche Energie, die uns alle umgeben kann.

Das täuschende Spiel der Liebe

Oft sieht es aber in Liebesbeziehungen anders aus: Es herrscht ein Spiel in dem es heißt: “Ich gebe dir meins, wenn du mir deins gibst”, “wenn du nicht das machst, dann mache ich das auch nicht”, “du hast dich ja auch nicht so verhalten, warum sollte ich es tun”. Die in so einem Falle genannte “Liebe” ist ganz und gar nicht bedingsungslos und daher ist von einer wahrer Liebeshandlung doch kaum auszugehen! Es wird nicht bedingungslos geliebt, man ist nicht einfach in Liebe, Liebe wird nicht bedingungslos verschenkt! Sicher, schön wäre es in der Tat schon, wenn es irgendwie zu einem Ausgleich zwischen zwei Mensch kommt. Passiert aber selten und kann kaum eingefordert werden. Erst Recht passiert dann eins: Es wird ein Mangelgefühl bei mindestens einem Partner erzeugt, weil ja immer genau geschaut wird, ob man auch zu seinem Recht kommt, ob man blos nicht zu wenig hat.

Abhängigkeitsverhältnisse

Auch, wenn man Liebe nur auf ein Gefühl zwischen zwei Menschen begrenzt, fehlt ganz viel. Und wenn ich den anderen für etwas verwende, ich vom anderen etwas möchte, damit ich etwas davon habe, entstehen Abhängigkeitsverhältnisse statt bedingungsloses Lieben zwischen zwei Menschen. Immer, wenn du jemanden brauchst, um erst dann etwas zu können, möchtest du vom anderen etwas. Du reduzierst den anderen auf eine Sache, die du scheinbar nur durch den anderen bekommen kannst.Vielleicht wirst du dann schnell eifersüchtig, denn der andere ist dir für deine Sache sehr wichtig und mitunter möchtest nur deshalb den anderen auf keinen Fall verlieren…also fängst du mitunter noch an, den anderen zu kontrollieren.

Was passiert hier? Alles dreht sich um den anderen. Du hast das Gefühl, ihn zu “brauchen”. Du vergisst, einmal mehr, den Fokus auf dich zu legen, die Zeit lieber zu nutzen, um in dich selbst hinein zu horchen, welche schönen Schätze da zu finden sind. Bei dir selbst zu sein.

Und wie wie fühlt sich so etwas bei dem anderen an? Wenn du etwas von einem anderen abhängig machst, wird sich der andere wirklich bedingungslos geliebt fühlen? Wohl  kaum. Es wird immer etwas mitschwingen, wenn auch nur subtil, was sich für den anderen seltsam anfühlt. Denn wenn du in Abhängigkeit zum anderen lebst, liebst du nicht mit vollem Herzen. Stattdessen machst du dir vor, den anderen zu lieben, aber eigentlich denkst du nur an dein Wohlbefinden – schließlich brauchst du ja den anderen für etwas. Dieses etwas ist in diesem Falle, das Gefühl, überhaupt lieben zu können (was erst in der Folge das Gefühl von Wohlgefühl und Glück erzeugt). Es entsteht eine Art von Abhängigkeit. Hierbei geht es also nur sekundär um die andere Person! Der andere ist austauschbar. So wie es der Songtext beschreibt: Ich benötige “someone”, irgendeinen eben. Hauptsache er sorgt dafür, dass du dich nicht alleine fühlst und du Liebe spürst, die du bisher mitunter nie richtig gelebt hast.

Beispiele für Abhängigkeits-Denken

Beispiele, dass du in solch einem Abhängkeits-Denken bist, sind folgende Gedanken: “Warum ist der andere einfach nicht so ist, wie ich mir das wünsche?”, “warum hat er sich seit einem Tag nicht gemeldet – er hätte sich doch schon längst mal bei mir melden sollen” oder “mir geht es schlecht, weil ich in keiner Beziehung bin”. Dabei geht es immer um eines: Du denkst an dein Wohl, nicht auch an das Wohl des anderen. Darüber hinaus erhebst du Ansprüche, als wäre der andere dein Haustier. Dieses Denken unterscheidet sich ganz grundsätzlich vom einfach nur in Liebe sein und daraus resultierender bedingungsloser Liebe. Einer Liebe, die du lebst, in deinem Herzen trägst, grundsätzlich mit jedem und allem teilst. Im Speziellen mit deiner Liebsten / deinem Liebsten: Bedingungslos teilst, gibst – jedoch nichts (dafür) verlangst.

Das geht einfacher als du glaubst: Öffne dich. Blicke in dich hinein. Erspüre dein Innenleben, vor dem du mitunter oft und schon lange wegrennst. Wenn du dich einsam fühlst: Wie fühlt sich diese wahrgenommene Leere an, die scheinbar nicht vorhanden ist? Was spielte der andere hierbei für eine Rolle? Wahrscheinlich lenkt er dich einfach nur von dieser Leere ab. Und doch ist diese Leere zu füllen: Versuche dir vorzustellen, dass alles miteinander verbunden ist. Dass alles eins ist. Du bist die anderen, die anderen bist du. Du willst für dich und damit auch für alle anderen nur das Beste. Wenn alles eins ist, bist du auch der Baum von nebenan, die Blume am Wegesrand, der Sonnenschein am Himmel, der singende Vogel. Fange an, dich zu öffnen, tiefe Liebe und Verbundenheit mit allem, was dich umgibt zu spüren. Werde eins mit deiner Umwelt – sie ist du und du bist sie. Genieße dieses Gefühl der Verbundenheit und Liebe – werde eins mit dem Ganzen. Gehe ganz tief hinein und bade in diesem Gefühl der Liebe. Darin erwartet keiner etwas vom anderen, im Gegenteil: Jeder liebt, des wunderbaren Gefühls wegen und auch, weil jeder dem anderen nur Gutes wünscht. Du bist in Liebe. Und bist Wärme. Genieße den Zustand und erprobe es täglich…lange Zeit in deinem Leben hast du mitunter anders gedacht, weil das nicht nur in Liedern, sondern auch durch die Medien oder Menschen generell so verbreitet wird: “Du brauchst jemanden anderen, um zu lieben”.

Es ist aber so: Wenn du nun schon in Liebe bist, wirst du täglich wie verliebt durch die Straßen und Natur schreiten. Mit jedem auf deinem Weg kannst Liebe teilen. Ist jemand traurig, sendest du ihm Liebe. Ist jemand eklig zu anderen, sendest du ihm bedauernswert ebenso Liebe (davon kann er bestimmt viel gebrauchen). Und triffst du dann noch auf einen tollen Partner, teilst du diese Liebe bedingungslos. Die gesamte Partnerschaft ist im Gegensatz zum oben beschriebenen Zustand der Abhängigkeit viel erfülllter…dann machste du deine Liebe nicht mehr abhängig vom anderen bzw. von dessen Aussagen oder Handlungen. Du musst nicht in einem ständigen Mangelgefühl oder einer Angst Leben, wieder mit deinem Mangelgefühl zurückgelassen zu werden. Im Gegenteil: Du bist in Liebe und teilst sie. Im Optimalfall habt ihr sogar beide die gleiche Einstellung hierzu und ihr teilt die Liebe – beschenkt euch täglich…Keiner wird sich erdrückt oder kontrolliert vorkommen, keiner an Eifersucht leiden.

Liebe ist nicht die Abhängigkeit, auf die sie viele Menschen begrenzen. Sei offen, gib der wahren Liebe eine Chance: Hierzu ist der erste Schritt, sich zu öffnen und dich hinein zu spüren. Augen zu öffnen für die Schönheit um dir herum. In der Natur die klare Luft einzuatmen. Nutze die Kraft von Entspannungsmethoden.

Ob in einer Partnerschaft oder ohne, du kannst jederzeit in Liebe sein. Liebe ist nicht auf nur zwei Menschen zu begrenzen. Ganz im Gegenteil: Du kannst in Liebe sein mit dir, mit deiner Umwelt und mit dem Ganzen!  Sie wird dich erfüllen und auch deine Umwelt. Du tust Großes, wenn du einfach nur in Liebe bist. Nicht nur du wirst dabei neue Dimensionen entdecken. Auch deine Umwelt wird es dir danken…

 

Text: Nick Melekian, Bild: Elke Sawistowski / pixelio.de

13 Gedanken zu „Der größte Irrtum – Beziehungsabhängigkeit und Liebe

  1. Nit

    Hallo Nick,
    ich habe wegen deiner spannenden Überschrift “Der größte Irrtum – Beziehungsabhängigkeit und Liebe” deinen Artikel angeklickt.

    Doch dann bin ich gleich über deine Interpretation von „Everybody needs someone to love“ gestolpert und – ich muss dir das einfach schreiben – du hast da leider einfach verkehrt übersetzt.

    Die Refrainzeile „Everybody needs someone to love“ heißt nicht etwa „Ich brauche jemanden, um zu lieben (zu können)“, sondern der Satz heißt richtig übersetzt:

    „Jeder braucht jemanden ZUM Lieben” bzw. – dann wird der Unterschied vielleicht etwas deutlicher – „Jeder braucht jemanden, den er gerne haben kann, den er lieben kann”.

    Der Unterschied scheint nur bei flüchtiger Betrachtung ganz klein und fein. Doch die wirkliche Bedeutung dieser Liedzeile ist in Wahrheit eine ganz wunderbare und völlig andere Aussage, als die, die du hier fälschlicherweise hineininterpretiert hast. Der Schöpfer dieses Textes wollte uns sagen:
    „Jeder von uns braucht jemanden, dem er seine Liebe schenken kann” und das hat so gar nichts mit Abhängigkeit zu tun, sondern drückt ein tiefes menschliches Bedürfnis aus.

    Ich fand es wichtig, dich darauf aufmerksam zu machen, gerade weil du schreibst, dass dir eine herzoffene Grundhaltung zum Leben am Herzen liegt. Nun kannst du diesen Song künftig mit ganz anderen Gefühlen anhören 🙂

    In Licht und Liebe
    Nit

    1. Nick Beitragsautor

      Liebe Nit,

      danke für deine Rückmeldung!

      Nun, in der Tat ist meine Übersetzung nicht vollkommen korrekt. Schaue ich mir jedoch deine an: „Jeder braucht jemanden ZUM Lieben“ = “jeder von uns braucht jemanden, dem er seine Liebe schenken kann“ ändert es nichts an der Grundaussage des Artikels:

      Natürlich ist es wunderschön, Partner oder andere Menschen zu kennen, die du lieben kannst. Jedoch ist es nicht die Voraussetzung, um überhaupt lieben zu können. Jeder kann genausogut ohne einem Partner lieben…einfach in Liebe sein, unabhängig von anderen. In Liebe sein mit sich, in Liebe sein mit seiner Umwelt und dem Ganzen. In Liebe sein mit dem wundervollen Baum, der vor dir steht, in Liebe sein mit deiner Situation (egal wie sich die auch immer gerade ausprägt), in Liebe sein mit allem. Einfach in Liebe sein. Mit warmem Herz und fließender Gefühle.

      Ansonsten könntest du ja gar nie erst in Liebe eintauchen, hättest du keine Lieben um dir herum! Dem ist aber nicht so: Jeder kann lieben. Unabhängig von anderen. Und genau das ist doch toll. Niemand braucht jemanden anderen. Wenn jedoch andere dann noch hinzukommen ist es einfach noch wundervoller…

      Alles Liebe dir
      Nick

  2. Reinhold

    Ich hab mich über die Entdeckung dieses Blogs gefreut und finde den Text sehr inspirierend und auch die Kommentare. Für mich ist Liebe ein Wachstumsprozess,
    indem ich lernen darf, aus Liebe zunächst zu einem Menschen und vielleicht auch aus der Abhängigkeit zu wachsen und innerlich frei zu werden. Die Erkenntnis, das die Liebe unabhängig ist von dieser einen Person kommt erst mit der eigenen Entwicklung und ist auch nicht immer so einfach, sprich wir werden auch gerne wieder rückfällig.
    Dieses Gefühl von Abhängigkeit hat ja auch etwas Gutes, es ist eine Notwendigkeit für eine langfristige Bindung. Das muss ja nicht heißen, das die
    Liebe nur aufgrund dieser Abhängigkeit weiter besteht, aber andererseits, das die Liebe dieses Menschen mir gut tut und meine Liebe dem Anderen gut tut. Das ist für mich der entscheidende Unterschied, wo genau der Fokus ist, in der Liebe selbst oder in der Abhängigkeit.
    Dabei darf ich mir aber durchaus bewusst sein, das die Liebe, die ich spüre, aus mir entsteht und damit immer da ist, wenn ich mir dessen bewusst werde und bleibe. Aber auch das sehe ich immer wieder als eine persönliche Übung und Herausforderung, in jedem Lebewesen, das mir begegnet die Liebe zu sehen.
    Letztendlich bin ich überzeugt davon, das die Liebe der eigentliche Motor unseres Lebens ist, nur sind wir uns dessen oft nicht bewusst.

  3. Saleem Matthias Riek

    Bedingungslos Lieben, ohne Abhängigkeit, das klingt befreiend. Aber bei näherem Betrachten stellt sich heraus: eine Forderung nach Bedingungslosikeit ist selbst eine Bedingung, sich oft unbemerkt – wie m.E. auch in diesem Text – einschleicht und Menschen an ihrer vermeintlich defizitären Liebesfähigkeit verzweifeln lässt, wenn es ihnen nicht gelingt, vollkommen bedingungslos in Liebe zu sein.
    Aber es kann nicht immer gelingen, weil wir Menschen mit Begrenzungen sind. Zumindest dann nicht, wenn wir uns wirklich mit Haut und Haar einlassen.

    Im Rahmen von meinem Buch habe ich mich mit darartigen Paradoxien intensiv beschäftigt: Bedingungslose Liebe umfasst auch unsere Begrenzungen und Bedingtheiten. Wie sollte es anders sein?

    1. Nick Beitragsautor

      Lieber Saleem,

      natürlich gibt es vielfältige Ursachen, sich auf eine Beziehung einzulassen oder es nicht zu tun. Auch bin bin kein Verfechter des Single-Daseins, falls manches nicht so erspürbar ist, wie man es sich wünscht.

      Wenn wir als soziales Wesen und zum Überleben rein pragmatisch eine Beziehung wählen oder aufrechterhalten, hat das mitunter auch eine Berechtigung. Wenn zwei Siedler in der amerikanischen Wildnis überleben wollen, geht es vielleicht nicht anders. Aber oft geht es gar nicht darum. Und wenn doch, dann nicht nur.

      In diesem Artikel geht es vor allem um die Beziehungsabhängigkeit. Dafür ein Gespür zu bekommen: Bin ich in meiner Beziehung in Abhängigkeit oder aus wahrer Liebe?

      Und dieses Gefühl nicht vollkommen von anderen Menschen abhängig zu machen. Blühe erst einmal aus dir heraus. Erkenne, dass Liebe größer ist als nur ein (zugegeben sehr schönes) Gefühl zwischen Pärchen.

  4. Fennek

    Ich liebe meinen Partner bedingungslos. In unserer Beziehung gab es von Anfang an viele Hindernisse, Ängste, die er aus der vorigen Beziehung mitbrachte. Es war nicht einfach..ich habe mich komplett geöffnet, weil ich an uns geglaubt habe. Ich habe vertraut und gegeben ohne jemals zu verlangen. Weil es mich glücklich gemacht hat, sein Leben zu verschönern und leichter zu machen. Auch ich bin ein “gebranntes Kind” und habe in meiner vorigen Beziehung viele schlimme Dinge erlebt. .sehr viel hatte mit Kontrolle und Macht zu tun. .weswegen ich jegliche Art von Kontrolle nicht ertragen kann. Ich habe mich oft damit auseinander gesetzt mit der Frage ob ich in der Lage bin, meinem Partner all das zu geben was er zum glücklich sein braucht. Ich habe mir immer wieder bewusst gemacht, dass jemand anderes vielleicht eine bessere Wahl wäre. Auch wenn mein Herz zerbrechen würde, denn ich liebe ihn so sehr dass ich nur das Beste für ihn wünsche. Im Laufe der Zeit sind wir immer mehr zusammen gewachsen. Bis ich ihn maßlos enttäuscht habe. Ich erwarte ein Kind und das war für unseren gemeinsamen Weg nicht vorgesehen. Ich habe bereits ein Kind, dass ich alleine großziehe und an das er sich nur langsam gewöhnt hat. Ich wollte ihn zuerst gar nicht erst mit der Tatsache belasten, aber ich wollte auch nicht lügen. Leider habe ich dann erfahren, dass meine Schwangerschaft viel weiter fortgeschrittenen war, als ich vermutet hatte. Er hat kein Interesse an dem Kind und sich in dem Moment von mir abgewendet, in dem ich sagte, dass ich es nicht über mich brächte so fortgeschritten noch ein Kind abzutreiben. Ich habe einen Operationstermin eine halbe Stunde vor dem Stattfinden abgesagt, weil ich nicht aufhören konnte zu weinen. Jeden Tag frage ich mich ob ich durch meinen Egoismus unsere Beziehung zerstört habe, indem ich seinen innigsten Wunsch ignoriert habe. Ich kämpfe unentwegt mit mir und meinen Gefühlen. .sehe noch Auswege im Ausland um alles zu retten..ich möchte ihn nicht unglücklich machen.

    1. Nick Beitragsautor

      Liebe Fennek,

      danke für deine Offenheit. Mir ist es wichtig, dir nahe zu legen, dich in deiner Situation mit möglichst vielen Menschen und/oder einschlägigen Beratern oder Beratungsstellen auszutauschen, um bezüglich des Kindes eine Lösung zu finden, die sich stimmig anfühlt und nicht hektisch getroffen wird.

      In Liebe sein heisst auch, authentisch zu sein. Sicher ist es normal, dass sich in einer Partnerschaft immer zwei Menschen entgegenkommen sollten. Keiner aber sollte sich für den anderen aufgeben. Ich habe aus deinem Text nicht klar herauslesen können, ob es auch um Vertrauensbruch ging. Wenn das so war, ist es immer problematisch. Dabei wird über Grenzen gegangen, die verletzen oder verärgern.

      Auch lese ich einen starken Fokus auf den Partner heraus.

      Wichtig in deinem Falle ist nun aber die Liebe zu deinem Kind. Du willst es offensichtlich. Kannst du diese Liebe und Energie auch alleine aufbringen? Darum geht es *nun* primär. Nicht um den Partner. Komm zur Ruhe durch Gespräche, komme zu dir und spüre in dich hinein.

      Unterscheide zwischen Abhängigkeiten und wahrer Liebe.

      Da dies ein Kommentarfeld und kein Forum / keine Partnerberatung ist, lasse ich deine Erfahrung erst einmal so stehen.

  5. Uschi

    Ja, so ist bedingungslose Liebe und so sollte man bedingungslos lieben – hab ich bis jetzt auch gedacht und versucht in letzter Zeit zu leben – und prompt habe ich mich in einen Menschen verliebt der jedoch nicht frei ist, zumindest hieß es von Anfang an: das ist nicht so wie es aussieht, das hat sich nur mal so ergeben.. dauert jedoch mittlerweile schon zwei Jahre..
    Wir verlebten schöne Momente und doch rückte diese Person immer mehr in den Vordergrund, erschien mir des Nachts… für mich hat das Rückzug bedeutet – gerade weil ich bedingungslos liebe, so dachte ich, gehört eben auch das Loslassen dazu – ja, ich ließ los weil es schmerzte, meinen Seelenpartner in den Armen der Anderen zu wissen.
    Natürlich quälte mich die Frage: was denn nun bedingungslos zu Lieben wirklich bedeutet? Ob es wieder nur mein Ego ist?!… Aber mal ganz ehrlich, muss man deshalb wirklich alles akzeptieren? Muss man deshalb teilen müssen? Ertragen müssen? Ist es dann noch Liebe vom Partner, wenn er sich ALLE Freiheiten nehmen will? Wenn er glaubt ALLE Freiheiten leben zu dürfen? Hat das alles dann auch noch mit Liebe zu tun?
    Diese Fragen haben mir einiges an Kopfzerbrechen gebracht und ich weiß, ich will in bedingungsloser Liebe leben – für Natur, für Tier, für Mensch… aber am schwersten ist es für mich trotzdem partnerschaftlich. Ich glaube, in der Partnerschaft kann es nur dann funktionieren, wenn beide gleich gestrickt sind, beide dasselbe Verlangen haben, beide dasselbe tolerieren…
    Ich würde mal sagen: Ich liebe ihn trotzdem bedingungslos, auf meine Weise, nur eben indem ich ihn losgelassen habe…

    1. Nick Beitragsautor

      Liebe Uschi,

      also zunächst einmal finde ich deine Lebenseinstellung toll.

      Aus meinem Verständnis heraus ist “bedingungslos lieben” nicht gleichzusetzen mit “eigene Gefühle oder Bedürfnisse ignorieren”. Wenn nun also du mit den vom Partner eingeforderten Freiheiten nur schwerlich leben kannst, ist die Frage: Kannst du dich damit arrangieren? Und auch: Willst du dich damit arrangieren? Sich dabei nicht außer acht zu lassen gehört genauso zum Lieben dazu: In Liebe mit sich zu sein ist die Grundlage, auch in Liebe mit seiner Umwelt zu sein.

      Im Übrigen, selbst, wenn ihr Euch entscheiden solltet, getrennte Wege zu gehen, so kannst du die Person weiterhin bedingungslos weiterlieben. Nur eben nicht in Form einer Partnerschaft. Aber warm und mit offenem Herzen. Nicht verbittert und verschlossen.

  6. Angela

    Danke für deinen sehr inspirierenden Beitrag! Er hat mich an eine Assoziation erinnert, die mir vor ein paar Jahren in den Sinn kam, als ich begriff, worin wahre Liebe für mich ganz persönlich besteht:
    Gesellt sich ein Schmetterling zu mir, während ich glücklich auf einer Wiese liege, so folgen meine Augen zunächst seinem lustigen Tanz in der Luft, ich bewundere es sehr, wie leicht und fröhlich der kleine Akrobat der Lüfte sich bewegt, beneide ihn um diese Gabe! Ganz zu schweigen von den schillernden Farben seiner Flügel!! Irgendwann kommt der Schmetterling näher und gesellt sich zu mir, landet vielleicht sogar vertrauensvoll auf meiner Hand…
    Und genau hier ist für mich der Wendepunkt zwischen wahrer Liebe und Besitztum. Denn wenn ich diesen Schmetterling wahrhaftig liebe, beraube ich ihn nicht um all das, wofür ich ihn bewundere! So sehr ich es mir auch wünsche, ihn nah bei mir zu haben, ihn nie wieder gehen zu lassen, es würde das Ende für ihn bedeuten… Seine Flügel verlieren bei der geringsten Berührung die Farbe. Halte ich ihn gefangen in meiner Hand, werde ich ihn nie wieder bewundernd durch die Luft fliegen sehen!!
    Wahrhaftige Liebe ist für mich die Freude und das tiefe Vertrauen, dass mir der Schmetterling schenkt, indem er hin und wieder bei mir verweilt… Ihn festzuhalten würde den Zauber verfliegen lassen!

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